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„Eine runde Sache“: Wien präsentiert Strategie zur Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft

28. Oktober 2025/in Pressemeldungen /

Czernohorszky/Gara: „Wien wird zur Großstadt ohne Verschwendung!“

In den letzten Monaten wurde in vielen Bereichen und Abteilungen der Stadt intensiv an einer Strategie gearbeitet, die Wiens Weg in eine Zukunft mit möglichst wenig Ressourcenverbrauch und Verschwendung weisen soll. Im Auftrag der Stadtregierung wurde eine gemeinsame Vision für den Umgang mit Ressourcen innerhalb der Stadt entwickelt: Die Strategie „Zirkuläres Wien – eine runde Sache.

Der Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft“ wurde heute von Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, NEOS-Gemeinderat Stefan Gara, Thomas Eberhard von der Bereichsleitung für Klimaangelegenheiten und Bernadette Luger von der Baudirektion präsentiert.

„Ein gutes Leben in unserer Stadt hat sehr viel mit Wertschätzung zu tun – mit Wertschätzung füreinander, aber auch für die vielen Dinge unseres Alltags, die nicht leichtfertig zu Wegwerfprodukten werden sollen. Mit dieser Strategie legen wir erstmals eine umfassende Gesamtstrategie vor, die uns dabei helfen soll, unser Leben und Wirtschaften auch langfristig umweltschonender und resilienter zu gestalten“, betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. „Dabei haben wir 33 Hebel für ein zirkuläres Wien identifiziert, die zur Ressourcenschonung und gegen jede Form von Verschwendung beitragen sollen. Das beginnt bei unserem Umgang mit Lebensmitteln, nachhaltigem Konsum, einer vorbildlichen Abfallwirtschaft und reicht bis zur Wiederverwendung gebrauchter Güter und Materialien oder dem schonenden Umgang mit Bodenressourcen. Es freut mich sehr, dass es gelungen ist, all das in dieser Strategie zu verankern!“

„Mit dieser neuen Strategie setzen wir den dritten Pfeiler der 3Ks unserer Klimastrategie um. Neben Klimaschutz und Klimaanpassung ist die Kreislaufwirtschaft ein entscheidender Hebel, um Ressourcen zu schonen, Abfälle zu vermeiden und Wien auf Kurs Richtung Klimaneutralität zu halten. Zugleich ist sie ein wichtiger Innovations- und Standortfaktor: Kreislaufwirtschaft stärkt Unternehmen, schafft neue Jobs und macht Wien fit für die Wirtschaft der Zukunft“, betont NEOS Wien Energie- und Klimasprecher Stefan Gara.

„Als Stadt können und wollen wir für alle Menschen in Wien Rahmenbedingen schaffen, die einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen ermöglichen“, so Thomas Eberhard von der Bereichsleitung für Klimaangelegenheiten, die die Strategie federführend koordiniert hat. „Wien baut dabei auf einer besonders guten Grundlage auf: Die Stadt hat eine lange Tradition in der gemeinschaftlichen Nutzung von Ressourcen und Infrastrukturen, beispielsweise die Wiener Öffis, die Wiener Bäder oder Bildungs- und Kultureinrichtungen. Das soll in Zukunft branchenweit verstärkt werden – das bedeutet zum Beispiel vermehrtes Sharing und die Wiederverwendung von Konsumgütern.“

„Im Bauwesen liegt ein enormes Potenzial zur Ressourcenschonung. Mit der Kreislaufwirtschaft und der neuen Strategie geben wir dem Wandel von der linearen zur zirkulären Wirtschaftsweise klare Struktur – und sorgen dafür, dass Primärressourcen geschont und Emissionen im Lebenszyklus deutlich gesenkt werden“, erklärt die Kreislaufwirtschaftsexpertin der Baudirektion, Bernadette Luger.

Ressourcenschonung im Mittelpunkt

Im Regierungsprogramm ist die Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Schwerpunkt in der Fortschreibung des Wiener Klimafahrplans: Ziel ist die Integration der Kreislaufwirtschaft in allen Bereichen der Stadt – als Querschnittsthema mit Klimaschutz und Klimaanpassung.

Im Mittelpunkt der nun vorliegenden Strategie zur Kreislaufwirtschaft steht das Thema Ressourcenschonung – also der achtsame Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen. Fünf Prinzipien der Wiener Kreislaufwirtschaft sollen dazu beitragen:

  1. Wien ist gerecht: Im Sinne der globalen Klimagerechtigkeit leistet Wien seinen Beitrag zur gerechten Verteilung der begrenzten Ressourcen: Dafür senkt Wien seinen konsumbasierten Material- und Treibhausgasfußabdruck und agiert innerhalb der planetaren und sozial verträglichen Grenzen.
  2. Wien wirtschaftet nachhaltig: Wien stärkt regionale und lokale Strukturen und macht so die Stadt unabhängiger von globalen Lieferketten. Wiederverwendung sorgt für neue Formen der Arbeit und eine Renaissance des Handwerks. Der Einsatz innovativer Technologien unterstützt effizientes Recycling. Die Stadt Wien nützt ihre starke Position auf dem Markt und setzt mit zirkulären Kriterien wichtige Impulse.
  3. Wien gibt Struktur und Sicherheit: Der gut geregelte Übergang zur Kreislaufwirtschaft braucht klare Vorgaben und Planungs- und Rechtssicherheit. Die Stadt Wien etabliert in ihrem Bereich praxistaugliche Vorgaben für Planung, Beschaffung und Umsetzung. Wien entwickelt bestehende Werkzeuge weiter, etabliert neue Anwendungen und stellt diese niederschwellig zur Verfügung.
  4. Wien kooperiert: Ressourcenschonung braucht viele Hände und Köpfe. Kreislaufwirtschaft ist keine isolierte Fachdisziplin. Ihre Entwicklung, Erprobung und Umsetzung erfordern eine umfassende, sektorenübergreifende Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette und in der Metropolregion Wien.
  5. Wien stellt die Menschen in den Mittelpunkt: Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft fördern gesellschaftliche Teilhabe, erleichtern den Zugang zu nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen, machen sie alltagstauglich, leistbar und barrierefrei. Neue Möglichkeiten des Zusammenlebens und Teilens entstehen.

33 Hebel für ein zirkuläres Wien

Mit insgesamt 33 „Hebeln“ möchte sich Wien in den kommenden Jahren zur Stadt ohne Verschwendung entwickeln: So will die Stadt in ihrer Rolle als große Beschafferin mit gutem Beispiel voran gehen und auch durch verstärkte Zusammenarbeit mit Unternehmen die Entwicklung von zirkulären Produkten und ressourcenschonenden Dienstleistungen fördern. Weiters sollen Lern- und Ausbildungsprogramme für die Bevölkerung, aber auch für spezifische Berufsgruppen konzipiert werden.

Wichtig ist auch das Konsumieren oder Nicht-Konsumieren im Alltag: Hier will man gute und praxistaugliche Rahmenbedingungen für Einkauf, Reparatur, Rückgabe, Sammlung und Wiederverwendung im unmittelbaren Wohn- und Arbeitsumfeld schaffen.

Im Bereich der Lebensmittel soll ein Schwerpunkt auf lokal und biologisch produzierten Lebensmitteln liegen, die zum Teil direkt in der Stadt produziert werden. Diese sollen verstärkt in der Gastronomie und in der Gemeinschaftsverpflegung (in Schulen und Kindergärten oder in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen) zum Einsatz kommen. Des Weiteren liegt der Fokus auf der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung.

Ein zentrales Thema ist auch der Baubereich: Hier geht Wien in Richtung „zirkuläres Bauen“ und möchte mit neuen Verfahren, Vorgaben und Digitalisierung für einen effizienteren Einsatz von Ressourcen sorgen. Im Bereich der Stadtentwicklung stehen wiederum ein kreislauforientierter Umgang mit Bodenaushub oder neue Flächen für Kreislaufwirtschaft und die damit einhergehende Logistik im Mittelpunkt.

Expert*innen-Stimmen

Sehr positiv wird die neue Wiener Strategie auch von Kreislaufwirtschafts-Expert*innen beurteilt:

Karin Huber-Heim, Circular Economy Forum Austria, Stadt Wien Stiftungsprofessur für Kreislaufwirtschaft und transformative Geschäftsmodelle an der FH des BFI Wien: „Mit der neuen Strategie „Zirkuläres Wien – eine runde Sache“ zeigt Wien, wie sich wirtschaftliche Stärke und Ressourcenschonung verbinden lassen und setzt europaweit Maßstäbe für eine klimafitte, resiliente Metropole. Die Strategie fördert Innovation, stärkt regionale Wertschöpfung und macht Wien unabhängiger von externen Ressourcen. Die Stadt Wien Stiftungsprofessur für Kreislaufwirtschaft und transformative Geschäftsmodelle an der FH BFI Wien begleitet diesen Weg, indem sie wissenschaftliche Erkenntnisse in praxisnahe Lösungen und zukunftsfähige Geschäftsmodelle übersetzt.“

Peter Holzer, Experte für Gebäude- und Haustechnik, Lehrbeauftragter, Gesellschafter IBR&I (Institute of Building Research & Innovation) und Geschäftsführer LARIX Engineering GmbH sowie Vorsitzender des Advisory Boards des Wiener Klimarats: „Zusätzlich zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung ist die Kreislaufwirtschaft, das Wirtschaften ohne Verschwendung, eine Säule für weiterhin gute Lebensbedingungen der Menschen in Wien. Mit der Strategie „Zirkuläres Wien“ legt die Stadt Wien eine wesentliche Grundlage, Kreislaufwirtschaft in allen städtischen Handlungsfeldern zu implementieren und macht die Zirkularität zu einem wichtigen Baustein einer weiterhin erfolgreichen Entwicklung der Stadt. Das ist auch aktiver Klimaschutz, denn die Senkung des Verbrauchs von Boden und Material, die Reparatur und Wiederverwendung von Produkten und, am Ende der Nutzungskette, das Recycling sind auch im Klimaschutz der Verschwendung fast immer überlegen.“

Städte tragen große Verantwortung

„Ressourcenschonung führt zu weniger Verschwendung und trägt zu einem gerechten und leistbaren Leben bei!“ ist Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky überzeugt. „Klimaschutz und Klimaanpassung sind globale Herausforderungen, aber gerade Städten kommt dabei eine große Verantwortung zu. Wien möchte auch beim Thema Kreislaufwirtschaft zu den Vorreitern zählen. Ich freue mich auf die nächsten Jahre und Jahrzehnte der Umsetzung dieser neuen Strategie!“

Die Strategie „Zirkuläres Wien – eine runde Sache. Der Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft“ soll am 22. Oktober im Wiener Gemeinderat beschlossen werden.

Die Strategie zum Download: www.wien.gv.at/spezial/kreislaufwirtschaft-strategie 

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