Wie ausgediente Neoprenanzüge den Einstieg ins Berufsleben unterstützen: OekoBusiness Wien und VIENNA DESIGN WEEK zeigen mit „Re:Form“ neue Wege für betriebliche Nachhaltigkeit

Wo Unternehmen auf Designer*innen treffen, entstehen Lösungen mit Wirkung. Das zeigt die zweite Ausgabe von „Re:Form“, einem Programm, bei dem die VIENNA DESIGN WEEK und OekoBusiness Wien Design und Wirtschaft zusammenbringen, um innovative Ansätze für eine nachhaltige Wirtschaft zu entwickeln.Seit 1998 begleitet OekoBusiness Wien, das Umweltserviceprogramm der Stadt Wien, Wiener Betriebe auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Immer öfter geht das Programm dabei neue Wege, um ökologisch und sozial verträgliche Formen des Wirtschaftens zu finden. Seit 2023 gemeinsam mit der VIENNA DESIGN WEEK und dem Projekt Re:Form, von dem sich auch Nina Abrahamczik, Wiener Gemeinderätin und Vorsitzende des Gemeinderatsausschuss für Klima und Umwelt, im Rahmen eines Besuchs bei der VIENNA DESIGN WEEK begeistert zeigt: „Innovation entsteht, wenn man vertraute Wege hinter sich lässt. Das Projekt Re:Form verdeutlicht, wie Design ökologisch und wirtschaftlich wirksam sein kann.“

Nach der erfolgreichen Premiere vor zwei Jahren sind auch im heurigen Jahr Prototypen entstanden, die zeigen, dass neue Blickwinkel auf Produktionsprozesse, den Ressourceneinsatz oder die soziale Dimension des Wirtschaftens zu konkreten, skalierbaren Lösungen führen, die Mensch und Umwelt guttun. VIENNA DESIGN WEEK Direktor Gabriel Roland: „Re:Form zeigt, dass Design weit mehr ist als Gestaltung. Projekte, wie diese sensibilisieren für den Umgang mit Materialien und Ressourcen und inspirieren sowohl die Designszene als auch die breite Öffentlichkeit.“

Im Rahmen der VIENNA DESIGN WEEK 2025, die bis zum 5. Oktober läuft, werden die drei „Re:Form“-Projekte in der Festivalzentrale (Wiedner Hauptstraße 52) präsentiert.

Diesmal mit dabei:

  • „A SECOND LIFE FOR NEOPRENE“ von blass & orange und DIE KÜMMEREI, bei dem ausgediente Neoprenanzüge zu neuen Taschen werden, die im Social-Concept-Store SCHÖN&GUT der Kümmerei verkauft werden sollen. Gleichzeitig schafft das Projekt praxisnahes Training für den Wiedereinstieg ins Berufsleben von am Arbeitsmarkt benachteiligten Personen.
  • „KLAPPT“ von ante up und Zuko, wo Sitzobjekte nach ökologischen Designprinzipien zu mobilen, ausleihbaren Stadtmöbeln werden.
  • „AM PUNKT – KREISLAUFFÄHIGER SONNENSCHIRMSTÄNDER“ von studio re.d und am punkt, bei dem ein Schirmständer aus recyceltem, regionalem Kunststoff bewusst der Logik des Untrennbaren widerspricht und durch vollständige Zerlegbarkeit erneutes Recycling möglich wird.

Nachhaltige Impulse für Wien

Re:Form wurde 2023 von der VIENNA DESIGN WEEK in Kooperation mit OekoBusiness Wien, dem Umwelt-Service-Programm der Stadt Wien, ins Leben gerufen. Ziel ist es, durch nachhaltige Gestaltung und wirtschaftliche Umsetzung Leuchtturmprojekte zu schaffen, die Wien fit für die Zukunft machen. Die erarbeiteten Prototypen dienen als Inspiration für die Wiener Wirtschaft, bestehende Prozesse zu hinterfragen und neu zu denken. Michael Kienesberger, Leiter der Stadt Wien – Umweltschutz, betont: „Klimaneutralität bis 2040 erfordert neue Denkweisen und mutige Ansätze. Projekte wie Re:Form bringen unterschiedliche Expertisen zusammen und machen deutlich, dass Design ein zentraler Treiber nachhaltiger Stadtentwicklung sein kann.“

Fortsetzung des Programms geplant

Nach dem Erfolg der zweiten Runde plant OekoBusiness Wien, Re:Form auch künftig fortzuführen. Bertram Häupler, Programmmanager von OekoBusiness Wien, erklärt: „Unternehmen suchen nach nachhaltigen Lösungen für ihre Prozesse. Re:Form schafft eine Plattform, auf der Ideen getestet, weiterentwickelt und in die Praxis umgesetzt werden können. Das wollen wir auch in Zukunft weiter etablieren.“ Die Beratungsleistung der Designer*innen wurde von OekoBusiness Wien kofinanziert. Nachhaltigkeit spiegelt sich auch im Ausstellungsdesign wider: Die Szenografie, umgesetzt von Menal Batti, Carlotta Siciliani und Ludovica Breitfeld, wurde bewusst zirkulär gestaltet.

Mehr Details zu den drei Projekten:

A SECOND LIFE FOR NEOPRENE

blass & orange / DIE KÜMMEREI

Zusammen mit dem sozialökonomischen Beschäftigungsprojekt DIE KÜMMEREI schenkt die Designerin Jasmin Bermadinger ausgedienten Neoprenanzügen ein zweites Leben. Dafür wird künstlicher, geschäumter Kautschuk, der nach einer Nutzungsdauer von etwa fünf bis zehn Jahren üblicherweise in der Müllverbrennung landet, untersucht, zerlegt, bewertet und als Ausgangsmaterial für neue Entwürfe ihres Designbüros blass & orange genutzt. In der FAIRtigung Textil, einem Bereich von DIE KÜMMEREI, stellen am Arbeitsmarkt benachteiligte Personen, die hier ein praxisnahes Training für den leichteren Wiedereinstieg ins Berufsleben erhalten, die neuen Produkte her, die im Social-Concept-Store SCHÖN&GUT der Kümmerei verkauft werden sollen – und verlängern so den Lebenszyklus von Neopren.

KLAPPT

ante up / Zuko

Reclaim the streets! Zuko ist ein kostenloser Verleihservice für mobile Stadtmöbel, der öffentliche Flächen in Orte des konsumfreien Verweilens und des Austauschs verwandelt. Bisher kamen dafür konventionelle Klappstühle zum Einsatz – gemeinsam mit ante up, dem Designstudio von Hauke Unterburg und Benedikt Stonawski, werden nun Sitzobjekte und passende Tische nach ökologischen Designprinzipien entworfen. Neben der Idee hinter Zuko werden sowohl erste Prototypen als auch der offene Gestaltungsprozess präsentiert.

AM PUNKT – KREISLAUFFÄHIGER SONNENSCHIRMSTÄNDER

studio re.d / am punkt

Kerstin Pfleger und Peter Paulhart vom studio re.d präsentieren die Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit mit dem Sonnenschirmhersteller am punkt: Der gemeinsam entwickelte Schirmständer wird aus recyceltem, regionalem Kunststoff von FANTOPLAST und Stahl gefertigt, ist modular aufgebaut und vollständig zerlegbar. Die gewählte Konstruktion widerspricht dabei bewusst der Logik des Untrennbaren. Die Bestandteile werden gesteckt statt verklebt – und Nachhaltigkeit so als gestalterische Haltung buchstäblich auf den Punkt gebracht. Form, Funktion und Material folgen einem klaren ökologischen Anspruch.

Mehr zu den Beratungsangeboten von OekoBusiness Wien hier.

Bildtext v.l.n.r.: Nina Abrahamczik (Wiener Gemeinderätin und Vorsitzende des Gemeinderatsausschuss für Klima und Umwelt), Bertram Häupler (Programmanager OekoBusiness Wien), Gabriel Roland (Direktor VIENNA DESIGN WEEK), Erik Czejka (Gründer Zuko), Kerstin Pfleger (Gründerin studio re.d), Benedikt Stonawski (Gründer ante up), Patricia Santer (Gründerin Am Punkt), Peter Paulhart (Gründer studio re.d), Michala Babcanova (Fachanleiterin DIE KÜMMEREI), Marie-Therese Salzborn (Teamleiterin DIE KÜMMEREI), Jasmin Bermadinger (Gründerin studio blass & orange) © APA/Jana Madzigon