Re:Wien Startup Erfolgsstory: colibrie
/in News /Im November ist colibrie unsere Re:Wien-Erfolgsgeschichte. Das Startup aus dem Re:Wien Programm von OekoBusiness Wien und dem Impact Hub Vienna zeigt, wie Energiegemeinschaften zum Gamechanger für ein nachhaltiges und unabhängiges Energiesystem werden können.
Wer steht hinter colibrie und was macht ihr?
Hinter colibrie stehen Menschen aus Produkt, Tech, Energie und Finanzwirtschaft, die sich viele Gedanken darüber machen, wie wir ein wirklich unabhängiges, selbstbestimmtes und nachhaltiges Energiesystem in Europa schaffen können. Unser Startpunkt dafür sind Energiegemeinschaften, denn diese sind aus unserer Sicht ein zentraler Baustein auf dem Weg dorthin.
Daher entwickeln wir Software, die Energiegemeinschaften im Hintergrund automatisiert. Also Energiedaten verarbeiten, Tarife anwenden, Abrechnungen durchführen, Prozesse mit Netzbetreibern und Energieversorgern abbilden. So senken wir den Aufwand für die Gemeinschaften und machen es leichter, neue Gemeinschaften zu gründen und bestehende effizient zu skalieren.
Extrem wesentlich ist für uns dann die Optimierung. Da wird spannend, wie Erzeugung, Verbrauch und eventuell Speicher so zusammenspielen können, dass Gemeinschaften autarker und netzdienlicher werden. Also weniger Zufall und mehr bewusstes Steuern, zum Vorteil der Mitglieder und des Gesamtsystems.
Welche Potenziale bieten Energiegemeinschaften? Welche Rolle spielt colibrie dabei?
Energiegemeinschaften bringen heute schon viel. Sie machen erneuerbare Energie noch attraktiver, halten Wertschöpfung in der Region und machen Energie greifbarer, weil man weiß, mit wem man sich den Strom teilt.
Gleichzeitig wird ein großer Teil des Potenzials noch nicht genutzt. In vielen Projekten wird Strom im Kern statisch verteilt. Es gibt wenig aktive Steuerung, obwohl die Daten da wären. Dabei könnten Energiegemeinschaften zum Beispiel
- ihren Eigenverbrauch deutlich steigern,
- Lastspitzen reduzieren,
- Speicher gezielt einsetzen und
- flexible Verbraucher wie Wärmepumpen oder E-Ladestellen netzdienlicher betreiben.
Unsere Aufgabe ist, den Weg von der reinen Abrechnung hin zur Optimierung zu ebnen. Wir stellen die digitale Basis für den Betrieb bereit und bauen darauf Funktionen auf, mit denen Gemeinschaften ihr technisches und wirtschaftliches Potenzial besser ausschöpfen können. Die Gemeinschaft bleibt dabei immer das Zentrum, wir liefern einfach die Werkzeuge im Hintergrund.
Wie entstand die Idee für das Startup und was ist eure Vision?
Die Idee entstand aus vielen Gesprächen. Mit Menschen, die eine Energiegemeinschaft gründen wollten, mit Betrieben, die nach lokalen Lösungen suchen, sowie mit Energieexpert*innen, die sehen, wie sich das System verändert.
Auf der einen Seite gibt es große Motivation und viel ehrenamtliche Arbeit. Auf der anderen Seite gibt es noch immer viel Handarbeit, eigene Excel Modelle und sehr viel ungenutztes Potenzial. Gleichzeitig werden in ganz Europa Smart Meter ausgerollt, es entstehen riesige Datenmengen und das Stromsystem wird immer dezentraler.
Unsere Vision ist ein Energiesystem, in dem Haushalte und Gemeinschaften nicht nur Stromkund*innen sind, sondern aktive Akteure. Sie erzeugen, speichern, verschieben und verkaufen Energie. Sie entlasten das Netz, statt es zusätzlich zu belasten, und werden für ihre Flexibilität fair entlohnt.
colibrie soll die Plattform sein, die diese Rolle überhaupt erst praktikabel macht. Automatisierung, damit der Alltag funktioniert. Optimierung, damit Gemeinschaften und das Netz profitieren. Und – ganz wichtig – auch Transparenz, damit Haushalte nachvollziehen können, was passiert.
Was ist euer bisher größter Erfolg?
Für uns ist jede Gemeinschaft, die durch den Einsatz unserer Software wächst, ein riesiger Erfolg und genau der Grund, warum das Ganze so viel Spaß macht.
Wie geht ihr mit Herausforderungen um? Welche Learnings konntet ihr davon mitnehmen?
Herausforderungen gibt es laufend, vor allem in einem so regulierten und komplexen Bereich wie der Energiewirtschaft. Dazu gehören Netzprozesse, Steuerthemen und rechtliche Details. Wir versuchen deshalb, frühzeitig mit Netzbetreiber*innen, Behörden, Steuerberater*innen und Partner*innen zu sprechen.
Energie ist außerdem ein komplexes Thema und auch die Prozesse in Energiegemeinschaften sind oft alles andere als selbsterklärend. Unsere Aufgabe ist es nicht, dies zu verschönern, sondern es in handhabbare Schritte zu übersetzen. Wenn wiederholt dieselben Fragen auftauchen, ist das für uns ein Signal, dass wir das Produkt oder die Kommunikation nachschärfen müssen. Das ist oft der Fall, aber das machen wir auch gerne, denn nur so entstehen Produkte, die wirklich ein Problem lösen und von vielen Menschen genutzt werden.
Wie sehen eure nächsten Ziele aus? Wie soll es für colibrie weitergehen?
Österreich ist ein super Startpunkt, um sich eine gute Basis aufzubauen. Energiesysteme muss man aber größer denken und wir denken auf jeden Fall über die österreichischen Grenzen hinaus ;)
Was würdet ihr euch in Zukunft von der Stadt Wien, Betrieben und der Wirtschaft wünschen?
Von der Stadt Wien wünschen wir uns, dass sie weiter als aktive Partnerin auftritt. Zum Beispiel mit
- klaren, einfach nachvollziehbaren Prozessen für Energiegemeinschaften in städtischen Gebäuden und Quartieren.
- einer guten Grundlage, um Energiedaten verantwortungsvoll nutzen zu können.
- Unterstützung für Projekte, in denen Stadt, Unternehmen und Communities gemeinsam neue Modelle ausprobieren
Von Betrieben und der Wirtschaft wünschen wir uns Offenheit für Kooperationen. Viele Unternehmen haben Dachflächen, Parkplätze, Speicherpotenzial oder flexible Lasten, die sich gut in lokale Energiekonzepte integrieren lassen. Wenn Betriebe sich als Teil solcher Lösungen sehen und nicht nur als Stromkundschaft, entsteht sehr viel Spielraum.
Und allgemein auch einfach mehr Mut und Lust, Dinge im echten Betrieb zu testen. Die Energiewende entscheidet sich nicht in Strategiepapieren, sondern ganz konkret in Häusern, Wohnungen, Unternehmen und Nachbarschaften. Genau dort möchten wir mit colibrie unterstützen.


colibrie