5 Fragen an… Christina Englmair zum KMU-Nachhaltigkeitskompass
/in News /In der Rubrik „5 Fragen an…“ erklären unsere Umweltberater*innen und Expert*innen, worum es bei unseren Angeboten geht und für welche Unternehmen sie geeignet sind. In dieser Ausgabe spricht Christina Englmair von ECOFIDES Consulting GmbH über den KMU-Nachhaltigkeitskompass und wie kleine und mittlere Unternehmen damit strukturiert in die Nachhaltigkeit einsteigen können.
1) Wer bist du und was machst du bei ECOFIDES?
Ich bin Nachhaltigkeitsberaterin bei der ECOFIDES Consulting GmbH und begleite Unternehmen dabei, Nachhaltigkeit strategisch und praxisnah im Betrieb zu verankern. Meine Schwerpunkte sind unter anderem die Treibhausgasbilanzierung sowie die Entwicklung von Klimastrategien und Emissionsreduktions-Roadmaps. Aber auch die Erstellung von Hitzeschutzkonzepten und Entwicklung von Klimawandelanpassungsmaßnahmen. Ein weiterer Fokus von mir ist die EU-Regulatorik, insbesondere die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sowie die freiwillige Berichterstattung bspw. unter Anwendung des VSME-Standards. Ich unterstütze dabei, die richtigen Schritte im ESG-Management zu setzen und eine tragfähige Nachhaltigkeitsstrategie mit klaren Zielen und Maßnahmen zu entwickeln. Besonders wichtig ist mir, Unternehmen nicht nur punktuell zu beraten, sondern nachhaltige Prozesse aufzubauen, die langfristig im Unternehmen wirken.
2) Was ist der KMU-Nachhaltigkeitskompass und welches Ziel verfolgt er?
Der KMU-Nachhaltigkeitskompass bietet kleinen und mittleren Unternehmen einen strukturierten Rahmen, um Nachhaltigkeit strategisch und praxisnah im Betrieb zu verankern. Wesentlich sind unter anderem die regulatorischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Kundenanforderungen wie bspw. die CSRD. Auch wenn viele KMU nicht direkt berichtspflichtig sind, spüren sie den Druck über Kund:innen, die Lieferketten oder Finanzinstitute sehr deutlich.
Im Zentrum steht daher die Frage: Welche Themen sind für die Unternehmen wirklich wesentlich? Mithilfe der doppelten Wesentlichkeitsanalyse priorisieren wir jene ESG-Aspekte, die sowohl aus Chancen- und Risiko- als auch aus Wirkungsperspektive entscheidend sind. Das schafft Klarheit, stärkt die Resilienz und hilft, strategisch zu handeln, statt nur zu reagieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch auf Klimaschutz und Treibhausgasreduktion. Die THG-Bilanz bildet dabei oft den Ausgangspunkt für eine konkrete Reduktions-Roadmap und Klimastrategie.
3) Für welche Betriebe eignet sich der KMU-Nachhaltigkeitskompass?
Der KMU-Nachhaltigkeitskompass eignet sich besonders für KMUs, die spüren, dass Nachhaltigkeit zunehmend ein Wettbewerbsfaktor wird, aber nicht genau wissen, wo sie beginnen sollen. Viele Unternehmen sehen sich auch mit steigenden ESG-Anforderungen konfrontiert und möchten dafür eine strukturierte Herangehensweise entwickeln. Das betrifft unter anderem Zulieferbetriebe größerer Unternehmen, die Daten wie THG-Emissionen oder andere ESG-Informationen nach bestimmten Standards bspw. VSME liefern müssen. Besonders geeignet ist es auch für Unternehmen, die erstmals eine THG-Bilanz erstellen möchten, eine Klimastrategie entwickeln oder bspw. eine klares ESG-Organisationsmodell mit definierten Zuständigkeiten und Prozessen aufsetzen wollen, um Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell zu verankern.
4) Wie läuft die Beratung konkret ab und welchen Mehrwert haben Unternehmen davon? (Gibt es ein besonders gelungenes Beispiel aus der Praxis?)
In der Praxis kommen viele Unternehmen bereits mit einem konkreten Anliegen auf uns zu – etwa mit dem Wunsch, eine Wesentlichkeitsanalyse durchzuführen oder eine Treibhausgasbilanz zu erstellen. Gerade im KMU-Bereich sind Ressourcen oft begrenzt, daher ist die Ko-Finanzierung ein wichtiger Hebel, um solche Themen strukturiert und professionell anzugehen.
Unabhängig vom Schwerpunkt starten wir immer mit einer Bestandsanalyse des Unternehmens, um passgenaue Vorgehensweisen festzulegen. Ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit ist die Wissensvermittlung, denn Regulatorien und Standards wie das GHG-Protocol oder der VSME sind komplex. Uns ist wichtig, dass Know-how im Unternehmen aufgebaut wird und Teams befähigt werden, Prozesse eigenständig weiterzuführen. Ebenso entscheidend ist ein sauberes, strukturiertes Datenmanagement – sowohl qualitativ als auch quantitativ. Ziel ist es, Transparenz und Nachvollziehbarkeit herzustellen – damit Daten systematisch verfügbar sind.
Ein spannendes Beratungsbeispiel war ein gemeinnütziger Verein, der ursprünglich gemäß CSRD berichtspflichtig gewesen wäre und eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt hat. Durch Omnibus fiel er jedoch aus der Berichtspflicht. Nichtsdestotrotz erkannte die Organisation den strategischen Mehrwert und startete in weiterer Folge mit einer THG-Bilanz. Nachhaltigkeit wurde damit vom externen Druck zu einer intrinsisch getragenen Haltung.
5) Welche Entwicklungen und Anforderungen beobachtest du im Bereich Nachhaltigkeit für KMU aktuell und wie kann der Nachhaltigkeitskompass dabei unterstützen?
Ich beobachte, dass sich das Thema Nachhaltigkeit stark weiterentwickelt hat und zu einem klar strukturierten Managementthema geworden ist. Zusätzlich werden ESG-Daten systematischer eingefordert. Insbesondere der Product Carbon Footprint (PCF) gewinnt als Anforderung entlang der Lieferkette zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig steigt die Erwartung, dass Unternehmen nicht nur Zahlen liefern, sondern Strategien, konkrete Ziele und nachvollziehbare Maßnahmen vorweisen können. Dies ist zukünftig auch in der Nachhaltigkeitskommunikation gesetzlich vorgeschrieben (Stichwort Empowering Consumers Richtlinie). Hierdurch sind allgemeine Umweltaussagen zukünftig nur mehr zulässig, sofern sie am selben Medium spezifiziert werden und Nachhaltigkeitsziele mit einem entsprechenden Umsetzungsplan hinterlegt sind.
Für viele KMU ist das herausfordernd. Der Nachhaltigkeitskompass schafft einen praxisnahen und niederschwelligen Einstieg in ausgewählte Kernbereiche der Nachhaltigkeit und legt damit die Basis für weiterführende Schritte. So wird Nachhaltigkeit nicht zur bürokratischen Last, sondern zu einem strategischen Instrument, das Unternehmen resilienter, transparenter und wettbewerbsfähiger macht.



