Innovators im Gespräch: Angelos Chronis von Infrared.City
/in News /In der Rubrik „Innovators im Gespräch“ stellen wir die Unternehmen vor, die im vergangenen Jahr Teil des Netzwerks Innovators for Net-Zero Vienna waren. Sie entwickeln innovative Lösungen für die Klimaneutralität Wiens und leisten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Wiener Klimafahrplan 2040. In dieser Ausgabe spricht Angelos Chronis von Infrared.City über die Idee hinter dem Unternehmen, seinen Beitrag zu einer klimafitten Stadt und die Vision für die Zukunft.
1) Stell dich kurz vor – wer bist du und was machst du bei Infrared.City?
Ich bin Angelos Chronis, Mitgründer und CEO von Infrared.City. Bevor wir das Unternehmen im Jahr 2023 gegründet haben, habe ich am City Intelligence Lab des AIT (Austrian Institute of Technology) geforscht. Dortging es darum, Stadt- und Klimasimulationen rechnerisch in den Griff zu bekommen, und genau daraus ist Infrared.City entstanden. Heute drehen sich meine Aufgaben vor allem um drei Dinge: Welche Klimafragen wir als Nächstes angehen, dass unsere Simulationen wissenschaftlich fundiert bleiben – und dass sich Team und Produkt insgesamt gut weiterentwickeln.
2) Was steckt hinter Infrared.City und welches Problem wollt ihr lösen?
Bis 2050 brauchen wir weltweit rund 13.000 neue Gebäude – und zwar pro Tag. Gleichzeitig gehören Gebäude schon heute zu den größten Treibern der Klimakrise. Das Problem dabei: Wer plant und baut, trifft Entscheidungen, die über Jahrzehnte wirken. Die Klimasimulationen, die man dafür bräuchte – Wind, thermischer Komfort, Verschattung, Tageslicht, Hitze- und Kältestress –, waren bisher aber langsam, teuer und Expert*innen vorbehalten: tagelange Rechenzeit statt Sekunden.
Genau da setzen wir an. Wir machen diese Simulationen radikal schneller und für viel mehr Leute zugänglich: über unsere Web-Plattform, direkt integriert in CAD-Programmen wie Rhino, Revit, SketchUp oder ArchiCAD, und über API und SDK, sodass auch andere Plattformen unsere Klimadaten einfach einbinden können. Unser Ziel ist, dass jede Planungsentscheidung mit Klimawissen im Rücken getroffen werden kann – von der ersten Skizze an und nicht erst ganz am Schluss.
3) Der Wiener Klimafahrplan 2040 umfasst viele Themen. Wozu möchtet ihr beitragen?
Wien hat mit dem Klimaanpassungs-Check, dem sogenannten Climate Proofing, ein Instrument geschaffen, das genau in unser Kerngeschäft trifft: Bau- und Stadtentwicklungsprojekte müssen nachweisen, wie sie auf das Mikro- und Stadtklima wirken – Windkomfort, Kaltluftströme, Hitzeinseln bei Tag und bei Nacht. Solche Nachweise entstehen heute meist über aufwendige Einzelsimulationen, die mehrere Tage dauern. Wir liefern vergleichbare Ergebnisse in Sekunden – und damit lassen sich vor dem Bauen deutlich mehr Planungsvarianten wirklich durchspielen.
Der zweite Punkt ist Kontinuität. Die städtischen Klimakarten, die es heute gibt, sind wertvoll, aber meist sind es Momentaufnahmen: Einmal erstellt, dann stehen sie. Mit live.infrared.city zeigen wir, wie eine laufend aktualisierte, jederzeit abrufbare Klimaschicht über einer Stadt aussehen kann – Wien ist dort bereits abgebildet. In diese Richtung würden wir gerne gemeinsam mit der Stadt weiterdenken: Hin zu einem digitalen Klimazwilling, der Hitzeinseln und thermischen Komfort nicht nur einmalig, sondern fortlaufend sichtbar macht.
4) Die Sommer in Wien werden immer heißer. Wie unterstützt Infrared.City Städte dabei, Hitzeinseln zu reduzieren und lebenswerter zu gestalten?
Wir machen sichtbar, wo und warum es in einer Stadt heiß wird – und was konkret dagegen hilft. Unsere Simulationen zeigen unter anderem den thermischen Komfort, also den UTCI, dazu Sonneneinstrahlung, Verschattung und den Sky View Factor, und das bis auf den einzelnen Straßenzug genau. Planer*innen können damit in Echtzeit durchspielen: Was bringt an genau dieser Stelle eine zusätzliche Baumreihe, eine helle statt einer dunklen Oberfläche, ein Wasserelement oder eine andere Stellung der Gebäude – für die Temperatur, die die Menschen dort tatsächlich spüren?
Da dies nur Sekunden dauert und nicht Tage, wird Hitzeanpassung nicht mehr bloß im Nachhinein geprüft, sondern von Anfang an mitgeplant: Beim einzelnen Bauprojekt genauso wie bei der Frage, wo in einer ganzen Stadt Begrünung und Kühlmaßnahmen am meisten bringen. Wien ist für uns dabei die Referenzstadt Nummer eins – auch ganz persönlich, weil wir hier gegründet haben.



